Quelle: Isabel Schoelen

Die Veranstaltung „Between Melting Glaciers and Social Responsibility – Course Correction in Tourism” klingt vielversprechend. Eingeladen sind unter anderem Vertreter der Tourism Watch/EED Germany, der Climate Change and Disaster Prevention und des Centre for Ecology and Development und last but not least: ein Jongleur. Der Künstler muss zwischen den einzelnen Rednern die Balance zwischen Tourismus und Umweltschutz „metaphorisieren“, wie die Moderatorin Mary Amiri es ausdrückt. Geschickt wirft er bunte Globen durch die Luft und hält dabei das Gleichgewicht. Danach jongliert er mit Ringen zu spanischen Rhythmen.

Irgendwie verloren geht dabei die Glaubwürdigkeit der Veranstaltung. Künstliche Pinien, die liebevoll mit Kunstschnee dekoriert sind, einer Brücke, die  über einen glitzernden Fluss führt, Eisbären und Pinguine, die das Geschehen völlig zurecht misstrauisch beobachten und der unvermeidliche Wegweiser zum Nordpol bilden die Kulisse des Schauspiels. Im Hintergrund hört man die Snowboarder vom Globetrotter Stand kreischen. „We are skating on very thin ice“ heißt es in der Anmoderation.

Zu kurz kommt: der Klimawandel. Das globale Thema unserer Zeit, das in Zukunft über Leben und Tod entscheiden wird. Wenigstens Sabine Minninger von der Climate Change und Disaster Prevention bringt es innerhalb ihrer 15-minütigen Sprechzeit auf den Punkt: „Der Tourismus ist selbstzerstörend“. Bis 2050 werde der Tourismus zu 25 Prozent Anteil an der globalen Emission haben. Dabei fliegen nur insgesamt zehn Prozent der Weltbevölkerung. Initiativen wie atmosfair drohen zu scheitern, da sie dem konstanten Wachstum der Tourismusbranche nicht hinterher kommen. Tatsächlich kompensiert bisher weniger als ein Prozent der Deutschen seinen CO2 Ausstoß mit einer Spende an die Umweltorganisation.

Am Ende der Veranstaltung wird die „Fairtrade Reisestandard-Urkunde“ verliehen. Dazu gibt es eine fair gehandelte Rose aus Kenia, wie Heinz Fuchs betont. Anstatt Rosen von regionalen Händlern zu überreichen, wird die Rose eingeflogen. Fairtrade bedeutet nicht automatisch auch klimafreundlich, geschweige denn nachhaltig. Ob solche Veranstaltungen zwischen schmelzenden Gletschern und sozialer Verantwortung für eine Kurskorrektur sorgen? Wohl eher nicht.

Der Tourismus nähert sich Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit, setzt sich aber – noch – nicht konkret genug damit auseinander.

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