Foto: Sarah Glaeser

Die Metropole Ruhr will auf der ITB Berlin 2010 einem breiten Publikum zeigen, „was dieses Jahr bei uns abgeht“, sagt Axel Biermann, Geschäftsführer der Ruhr Tourismus GmbH.

Nachdem im Januar die spektakuläre Eröffnungsfeier der Kulturhauptstadt RUHR.2010 in Essen stattfand, strömen viele Fachbesucher zur Pressekonferenz der Ruhr Tourismus GmbH auf der ITB Berlin 2010. Im Auftritt mit elegantem Design und aufwendiger Hightech-Ausstattung zeigt sich, was der Titel Kulturhauptstadt der ehemaligen Montanregion gebracht hat: Einen intensiven Imagegewinn.

Über eine Treppe gelangt man auf eine Plattform des zweistöckigen Messestandes der Ruhr Tourismus GmbH. Bistrotische, Snacks und Weinservice strahlen eine angenehme Café-Atmosphäre aus. Wobei das Bild eines Kiosks mit der Aufschrift Beim ‚Mampf’-Fred eher eine Imbissbude suggeriert. Den Lärm der Messebesucher nimmt man hier oben kaum wahr. Lediglich die Geräusche einer Installation mehrerer im Halbkreis angeordneter Bildschirme im unteren Teil des Messestandes, die Ruhrpanoramen von Adolf Winkelmann, begleiten die Vorträge der Referenten. Diese stellen das „Informations-Infrastruktur-Konzept“ vor, „ein geschmeidigeres Wort fällt mir leider nicht ein“, gesteht Biermann. Dieses Konzept umfasst ein einheitliches Corporate Design sowie ein abgestimmtes System von verschiedenen Infostellen für Touristen, das in diesem Ausmaß einmalig in Deutschland und Europa ist. Die Infostellen, die sich an 25 Standorten in 13 Städten befinden, präsentieren die Metropole Ruhr als kompaktes Reiseziel. Sie verdeutlichen aber auch die Individualität der einzelnen Anziehungspunkte. Das Hagener Osthaus Museum, im Kunstquartier Hagen, kann man auch direkt über einen Touchscreen anwählen, der zukünftig zur interaktiven Recherche an allen Infostellen bereitstehen wird. Man erhält sämtliche Infos sowie geschichtliche Daten über das Museum und kann sich den Weg dahin anzeigen lassen. Der Touchscreen reagiert noch etwas schwerfällig, aber daran werde gearbeitet, wie ein Mitarbeiter des Messestandes erklärt.

Nach einem „bombastischen Einschlag“ von RUHR.2010 als Partnerregion der ITB Berlin 2009, gelte es, in diesem Jahr die geplanten Events erfolgreich durchzuführen, so Biermann. Das Ruhrgebiet habe ein attraktives touristisches Angebot. Dies müsse nur intensiver nach außen kommuniziert werden. Biermann kommt ins Schwärmen, als er den längsten Biertisch der Welt vorstellt: Für einen ganzen Tag wird die A40, die Autobahn durch das Ruhrgebiet, gesperrt und auf einer Länge von 60 Kilometern Biertische aneinandergereiht, an denen sich die Menschen von Duisburg bis Dortmund treffen können. Überschwänglich zählt er eine Veranstaltung nach der anderen auf. Auch über das Kulturhauptstadtjahr hinaus gilt: „Nach diesem Feuerwerk in 2010 wollen wir 2011 nicht wie ein glühender Meteorit versinken“, so Biermann.

Man ist stolz auf das Ruhrgebiet und was es zu bieten hat. Da kommt die Verleihung der Goldenen Palme 2010 durch GEO Saison für die Dr. Tigges Studienreise Europas Kulturmetropole Ruhr am Abend zuvor gerade recht. Durch die Auszeichnung mit dem Kreativpreis der Branche fühlt sich die Ruhr Tourismus GmbH bestätigt, dass „wir auf dem richtigen Weg sind und sich das Ruhrgebiet künftig als Ziel für Städte- und Kulturreisen etablieren wird“ (Biermann).

Auch wenn Optimismus und Tatendrang allgemein förderlich sind, verwundert es in diesem Fall, ruft man sich die Pressemitteilungen der letzten Monate ins Gedächtnis. Das Ruhrgebiet ist stark verschuldet, wie unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete. Alleine Oberhausen mit 1,5 Milliarden Euro und Duisburg schlägt Oberhausen um Längen: Der Schuldenberg ist doppelt so hoch. So kommt auf jeden Bürger Nordrhein-Westfalens im Schnitt eine Last von 2797,27 Euro zustande.

Es bleibt abzuwarten, ob hier eine vernünftige Lösung gefunden werden kann oder ob man wie Wolfgang Petry in seinem Lied „Ruhrgebiet“ alles wegfeiert:

Zwischen Rhein und Weser das Herz der Welt,
hier bist du keine Nummer, keiner sieht auf dein Geld,

eine grüne Oase zwischen Kohle und Stahl,
wenn wir zusammen feiern ist uns alles egal.

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