Foto: Leben und Arbeiten auf engstem Raum. Quelle: Kristine Arndt

In der schwimmenden Stadt würde Anarchie herrschen, wäre sie nicht da: Kapitän, Köche, Kellner und all die andern fleißigen Hände, die dafür Sorgen das der Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff nahezu perfekt wird. Sie arbeiten, wenn andere Urlaub machen. Auf engstem Raum leben sie alle zusammen. Urlauber und Besatzung, in ganz unterschiedlichen Welten.

Die einen in der Außenbordkabine mit Balkon, die anderen teilen sich eine Doppelkabine tief unten im Bauch des Schiffes, das Brummen der Motoren im Ohr. „Das prägt dich für das ganze Leben“, sagt Barbara Kress von G&P Cruise Hotel Management, „und macht einen beliebt auf dem Arbeitsmarkt.“ Wer einer Weile auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet hat, stelle unter Beweise, dass er unter Belastung arbeiten kann, tolerant und teamfähig ist. „Wenn man so eng zusammen lebt, ist es ganz klar, dass Konflikte aufkommen“, erläutert Kress, „man muss diese Konflikte bewältigen, bevor einen der Konflikt selbst überwältigt!“

Niemand ist immer gut gelaunt, denn die Arbeit ist hart: Zehn Stunden am Tag – sieben Tage die Woche – sechs bis acht Monate, eine ganze Saison lang. „Manchmal hat man ausschlafffrei. Dann muss man erst anfangen zu arbeiten, wenn die Gäste zum Mittagstisch kommen“, erläutert der Hotelmanager Thomas Böge und schmunzelt. Er kann sich keinen besseren Job vorstellen: „Ich sehe Menschen und Gegenden, in die ich sonst nicht kommen würde!“ Wie Urlaub empfindet er es trotzdem nicht, wenn er nach dem Arbeitstag Landgang hat, und ein bisschen an den Stränden der Karibik ausspannt. „Das ist nur Freizeit“, sagt er und erklärt weiter: „Ich könnte mir im Moment nicht vorstellen auf einem Kreuzfahrtschiff Urlaub zu machen. Dafür bin ich noch zu jung. Und außerdem müsste ich immer an all die Prozesse denken, die sich im Hintergrund abspielen, und von denen der Gast so wenig wie möglich mitbekommen soll.“ Ein bisschen ist es wie bei einem Versteckspiel: Die Crew darf nur in den Fitnessraum und Wellnessbereich, wenn dieser für Gäste geschlossen ist“, erklärt Böge und Kress ergänzt: „Gegessen wird in der Schiffskantine. Für die Crew gibt es dort einfachere Speisen.“ Das Verhältnis zu den Gästen ist von Distanz geprägt und doch bauen sich durch die räumliche Nähe viel engere Beziehungen auf, als an einem Hotel an Land. „Man kennt die Gäste mit Namen, kann sich Vorlieben merken“, erzählt Böge. Details die den Urlaub für den Gast noch ein bisschen perfekter machen. Und während die Gäste im Kreis von Freunden und Familie schlemmen, ist die Crew von ihren Liebsten meist meilenweit entfernt. „Das bringt die Schifffahrt so mit sich“, sagt Seemann Böge und rückt seine Uniform zurecht. Arbeiten auf einem Schiff wirkt sich eben ein bisschen mehr aufs Privatleben aus, als anderswo.

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