Quelle: Marian Wilhelm

Wandern ist Volkssport. Das Wort Sport fiel bei den zahlreichen Veranstaltungen zum Thema auf der ITB Berlin 2010 allerdings eher selten. Es gehe um eine „Neudefinition des Begriffs Wandern“ aus dem Selbstverständnis der Wanderer heraus, meinte Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, Präsident des deutschen Wanderverbandes. Deshalb wird das Wandern als „Gehen in der Landschaft“ unter bestimmten Vorzeichen definiert und etwa von der Österreich-Werbung unter dem Motto Magie des Gehens vermarktet. Aspekte wie körperliche und seelische Gesundheit und Natur-Erleben treten in den Vordergrund.

Doch „Wo hört Spazierengehen auf, wo fängt Wandern an?“, fragte Prof. Dr. Heinz-Dieter Quack, Geschäftsführer des Europäischen Tourismus Instituts (ETI) und Organisator der ersten nationalen Wanderstudie, die der deutsche Wanderveband zusammen mit Wirtschafts-Staatssekretär Ernst Burgbacher vorstellte. Bundesweit wurden in der Hauptstudie 4.500 Wanderer vor Ort beim Wandern befragt, wobei der Endbericht erst im Sommer 2010 präsentiert wird, da die Detailergebnisse zum Winter-Wandern noch erhoben werden.

Die wichtigsten Ergebnisse in Zahlen:

  • 56% der Deutschen wandern mehr oder weniger oft.
  • Das sind ca. 40 Millionen Menschen, also jeder zweite Deutsche über 16 Jahren.
  • Dabei werden 3,6 Milliarden Kilometer zurückgelegt und
  • 7,5 Milliarden Euro ausgegeben.
  • Das entspricht laut Wirtschafts-StaatsSekretär Ernst Burgbacher 144.000 Arbeitsplätzen.
  • Davon allein knapp 100,00 € für Ausrüstung pro Jahr.
  • Der durchschnittliche Wanderer ist dabei 2 Stunden und 39 Minuten unterwegs.

Grund für diese enorme Beliebtheit ist einerseits der niederschwellige Zugang, d.h. es sind wenig Voraussetzungen notwendig. Andererseits sorgt ein erhöhtes Bedürfnis nach Naturerlebnissen seit etwa zehn bis 15 Jahren für eine „Renaissance des Wanderns“, wie Prof. Quack feststellt. Die Motive Ruhe, Gesundheit und Bezug zur Natur sind dominant.

Das Spektrum reicht von Pilgerreisen und spirituellem Wandern bis zu Trekking in den Hochalpen oder im Himalaya. In Deutschland sind das Mittelgebirge sowie Österreich und Nord-Italien die beliebtesten Wanderziele. Für die Zukunft zeigt sich neben marktwirtschaftlichen Potentialen, vor allem bei der Generation der best agers, eine leichte Technologisierung. Hier vor allem bei der Planung der Wanderungen, die zunehmend übers Internet erfolgt und in beschränktem Rahmen auch über mobile Technik bei den jüngeren Wanderfreunden.

Die Herausforderung bei der Vermarktung liegt laut Sieghard Preis von den Österreichischen Wanderdörfern in dem was er „Simulacration“ nennt, also der emotionalen Vermittlung des genius loci von Naturlandschaften. Denn Landschaft ist für ihn „eine Metapher, die im Kopf des Betrachters entsteht.“ Dementsprechend ist das Marketing des Naturraums die Verankerung von „Sehnsuchts-Bildern“ bevor der Gast überhaupt anreist. Das in Szene setzen von Natur erfolge primär auf der visuellen Ebene. Das gilt im Übrigen natürlich nicht nur in diesem Segment, sondern für den Tourismus im Gesamten, wie man an der Beliebtheit der Urlaubsfotografie feststellen kann. Darüber hinaus werden aber auch gezielt andere Sinne angesprochen, zum Beispiel über die Vermarktung der Kulinarik oder Sinneswanderungen in der Natur. Thorsten Hilber von Alpstein Tourismus, einer bayerischen Firma, die sich auf Realisierung von Vermarktungskonzepten für ganze Regionen spezialisiert hat, nennt das dann „aus der Landschaft Produkte schnitzen“. Man sieht: Es braucht viel Arbeit um die Magie des Gehens erlebbar zu machen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s