Foto: Emanuel Werabe, Dileep Mudadeniya beim Panel Tourism as a driver for peathbuilding and reconstruction am 12. März 2010. Tourismus, Frieden und Konflikt Pressekonferenz. Quelle: Imke Schröder

Wenn die Terroristen kommen, sind die Touristen schnell verschwunden. Bombenanschläge und Attentate schädigen das Geschäft. Wer denkt noch an unbeschwerte Urlaubsfreuden, wenn hinter der nächsten Ecke schon der nächste Konflikt lauert? Aber nicht nur Terrorismus kann einem Reiseland schaden: Politische Demonstrationen wie im Iran, Bürgerkriege wie in Sri Lanka und Ruanda schrecken ab. Welche Auswirkungen Konflikte auf den Tourismus haben, erläutert die Studie Tourism Peath and Conflict: How far does self-intereset carry?, die am Freitag auf der ITB Berlin vorgestellt wurde. Gefördert wurde die wissenschaftliche Arbeit der COMPASS GmbH von der Bundesstiftung Friedensforschung. Dabei wurden drei vergleichende Fallstudien in Ruanda, Sri Lanka und Kroatien durchgeführt.

Alle drei Länder waren von Bürgerkriegen heimgesucht, und versuchen sich jetzt als beliebte Reiseziele zu positionieren. Obwohl es auch während der Konflikte in Kroatien und Sri Lanka dennoch Tourismus gab, steht Ruanda diesbezüglich vor einem Neubeginn. Der Tourismus spielt hier auch eine friedensgebende Rolle. Durch Projekte wie der gemeinsamen Herstellung von Körben schließen Witwen des Genozids mit den Ehefrauen der Täter Freundschaft und ein neues Sozialgefüge entsteht, meint Emanuel Werabe vom Tourismusministerium Ruanda.

Der Tourismus kann auch zu völlig neuen Wirtschaftsideen führen: Nach Ende des Konflikts in Sri Lanka wurden die Militärhubschrauber kurzer Hand für touristische Touren umfunktioniert. Dileep Mudadeniya, Direktor des Sri Lanka Tourismus Ministerium, erkennt das große Potenzial Sri Lankas: Durch den Bürgerkrieg kam es zu keinerlei Entwicklung, und die Natur auf Sri Lanka ist somit weitgehend intakt und unberührt.

Doch liegt die Verantwortung für Investitionen in von Terrorismus heimgesuchten Ländern auch bei den Reiseanbietern, den Tourismus in solchen Regionen wieder wirtschaftlich rentabel zu machen. Auf Grund politischer Spannungen nimmt der Tourismus in Regionen wie dem Nahen Osten immer wieder ab. Dennoch wird in Länder wie Iran oder Palästina gereist. „Vor allem Pilger und christlich-historisch Interessierte reisen ins Westjordanland“, meint Marjed vom palästinensischen Tourismusministerium. Palästina rechnet dieses Jahr mit rund einer Million Touristen. Auch weil die Touristen oftmals Solidarität zeigen. Doch Tourismus kann in politisch instabilen Ländern nicht geplant werden. Nach der zweiten Intifada hatten über Nacht die gesamten Touristen das Westjordanland verlassen. Ähnliches weiß auch Fariba aus dem Iran zu berichten: Nach den Demonstrationen der Opposition im vergangen Jahr sanken die Besucherzahlen rapide ab. Und er fügt hinzu: „Politik kann man nicht planen.“

Als in Algerien vermehrt deutsche Touristen in der Sahara entführt wurden, brach fast der komplette Markt mit deutschen Touristen ein. Mittlerweile hat sich die Situation aber wieder entspannt, meint Hakim von einer algerischen Touristenorganisation. Auch dies ein Phänomen welches die COMPASS- Studie bestätigt: Ist der Konflikt erstmal vorbei, kommen auch die Touristen wieder.

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