Foto: Dario Riccobono und Eduardo Zaffuto von Addiopizzo präsentieren Sibylle Janssen den Stadtplan von Palermo, in dem alle 400 Mitglieder der Initiative verzeichnet sind. Quelle: Marcus Schoft.

„Nach Sizilien zu reisen war für mich immer schwierig mit meinem Gewissen zu vereinbaren.“ Das ist das Fazit von Sibylle Janssen, denn zu groß sei einfach das Risiko gewesen, die Mafia zu unterstützen. Nun hat die Besitzerin eines kleinen Reisebüros in Niedersachsen eine Möglichkeit gefunden, Reisen auf die italienische Insel anzubieten ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Die Initiative Addiopizzo machts möglich.

2004 wurde Addiopizzo ins Leben gerufen und die Idee dahinter ist denkbar einfach: Je mehr Geschäftsleute die Schutzgeldzahlungen an die Mafia verweigern, desto weniger kann diese dagegen tun. Das Konzept scheint aufzugehen: Schon 420 Mitglieder hat die Initiative inzwischen. Profitieren können davon nun auch Touristen, denn seit vergangenem Herbst bietet Addiopizzo Travel garantiert mafiafreie Reisen an. Sieben bis zehn Tage lang wohnen die Urlauber dabei in verschiedenen Hotels in Palermo und Corleone, werden zu den besten Restaurants geführt und besuchen alte Biohöfe, Ölmühlen und Weinkeller. Die Besitzer der Reisestationen haben eines gemeinsam: Sie zahlen kein Schutzgeld an die Mafia. Addiopizzo kontrolliert das mit strengen Beitrittsregeln. „Auch in Abrechnungsbüchern der Mafia, die immer wieder auftauchen, wenn ein Boss aufgefliegt, ist noch nie eines unserer Mitglieder aufgetaucht“, erklärt Eduardo Zaffuto von Addiopizzo.

Dass die Initiative nun auch Reisen anbietet sei eine natürliche Entwicklung, erklärt Dario Riccobono, einer der Gründer des Projekts. „Angefangen hat es damit, dass wir auf unserer Homepage gefragt worden sind, welche Hotels und Restaurants uns beigetreten sind.“ Außerdem wurde der junge Sizilianer, der bei einem amerikanischen Reiseveranstalter gearbeitet hat, immer öfter von Touristen über die Mafia ausgefragt. „Die meisten hatten eine ganz verrückte Vorstellung aus irgendwelchen Hollywood-Filmen“, erinnert sich Riccobono. Grund genug also, in die Reisebranche einzusteigen.

Zwei Angebote bietet das junge Unternehmen nun an. Einen Aufenthalt in Palermo, der für Schulklassen gedacht ist und eine Tour von Palermo nach Corleone. In dem Dorf, das durch zahlreiche Hollywoodfilme bekannt geworden ist, steht sogar ein kleines Museum auf dem Programm, das sich kritisch mit der Mafia beschäftigt. Bisher waren es noch nicht viele, die die Angebote in Anspruch genommen haben, aber schon vorher haben Riccobono und seine ehrenamtlichen Mitstreiter hunderte Tagestouristen durch Palermo geführt. Der Sizilianer ist zuversichtlich: „Wir waren jetzt schon auf einigen Reisemessen und haben viele Kontakte zu ausländischen Reiseveranstaltern geknüpft.“ Auch an Unterstützung mangelt es der Initiative nicht. Die Deutsche Botschaft in Italien steht hinter dem Projekt und hat zusammen mit Addiopizzo eine Straßenkarte von Palermo drucken lassen. Alle Mitglieder der Initiative sind dort verzeichnet. „Vor allem aber steht auch die Bevölkerung hinter uns“, ist sich Riccobono sicher. „Das zeigt, dass die Mafia langsam ihre Basis verliert.“

Janssen, die Reiseanbieterin aus Hemmingen in Niedersachsen, ist jedenfalls von dem Konzept begeistert. „Für mich ist das ideal und ich bin mir sicher, dass ich damit auch wesentlich mehr Leute nach Sizilien locken kann.“

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