Quelle: Marcus Schoft

Smartphones blitzen überall im Publikum auf, E-Mails werden kontrolliert, Aktien verkauft und Hotelzimmer gebucht. „Oft sind die Kunden schon wesentlich weiter als wir“, befürchtet Marco Nussbaum. Der Geschäftsführer von der Hotelkette prizeotel diskutiert mit vier Experten, wie internetfähige Handys für die Hotelwelt genutzt werden können. Denn schon längst ist das mobile Internet fester Bestandteil der Reisewelt geworden.

In einem sind sich die Fachleute einig: Der Markt für Smartphones und ihre Anwendungen wird in den kommenden Jahren extrem wachsen. Die Touristiker wollen diesen Trend nicht verpassen. „Wir müssen unheimlich offen dafür sein“, sagt Nussbaum. Um den Anschluss nicht zu verlieren, rüsten die großen Hotelketten nun mit mobilen Handyprogrammen, sogenannten Apps, auf. Damit sind Programme gemeint, die zum Beispiel über ein Onlineportal erworben und auf dem Handy gespeichert werden. Im Gegensatz dazu stehen mobile Web-Angebote, die speziell für die Darstellung auf Handys optimiert wurden.

Hotels und Fluggesellschaften bieten nicht nur mobile Web-Angebote an, sondern versuchen sich auch auf dem Markt der Apps zu etablieren. Allein der Hilton-Konzern hat inzwischen sieben Apps für verschiedene Smartphones auf den Markt gebracht. Damit kann man bisher jedoch nur Hotelzimmer buchen. Es sei aber schon wesentlich mehr möglich, versichert Oliver Harnisch, Vizepräsident von Hilton. So könnte das Mobiltelefon auch vor, nach und während des Hotelaufenthalts von Nutzen sein. „Wenn der Gast ein sechstes Kissen wünscht kann er das über ein Roomservice-App schon bestellen bevor er eincheckt“, erklärt Harnisch.

Trotz aller Euphorie über die zahlreichen Möglichkeiten können die neuen Systeme aber auch von Nachteil sein, warnt Hiltonmanager Harnisch. „Wir kommen zwar näher an den Gast heran, manche möchten das aber vielleicht nicht.“ Es werde gar einen wilden Wust an Werbung geben, die den Nutzern mobiler Angebote erreicht, befürchtet Martin Thyssen von Blackberry. „Es gibt schließlich kein anderes Medium, das nur für den Kunden relevante Werbung bereitstellt.“

Die Kritik, das mobile Internet beeinträchtige den Datenschutz, lässt Tobias Ragge, Geschäftsführer Hotel Reservation Service (HRS), nicht gelten. „Die Geräte werden zum Zahlungsmittel, wenn das aber nicht funktioniert ist der Handel tot“, meint Ragge.

Auch Sicherheitsexpertin Alexandra Wolf-Klawonn von ADS Consult gibt Entwarnung bei der Übertragung sensibler Daten. „Der Nutzer ist kaum greifbar, da er nicht so lange online bleibt.“ Bei Daten, die über einen freien WLAN-Zugriff übermittelt werden, sei allerdings Vorsicht geboten. Ein böswilliger WLAN-Anbieter könne die übermittelten Daten problemlos kopieren. Das Publikum der Podiumsdiskussion scheint sich daran nicht zu stören. Es surft weiter bedenkenlos im Internet.

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