Zwei junge Urlauber im Reisebüro: „Wir haben da mal etwas von CO2-Ausgleich bei Flugreisen gehört. Können Sie uns dazu etwas sagen?“ Die Reiseverkehrsfrau schüttelt den Kopf. „Nein, da kann ich nichts zu sagen.“

Dieser Videoeinspieler während der Diskussionsrunde „Is CSR a rip-off?“ erregte die Gemüter am Corporate Social Responsibility Day auf der ITB Berlin. Dass CSR ein „schwieriges Thema in schweren Zeiten“ und noch nicht jedem bekannt sein kann, sind sich die Experten einig. Doch dass eine Mitarbeiterin im Reisebüro noch nichts von CO2-Kompensation gehört hat, schockiert die anwesenden Touristiker dann doch. „Wir sind am Anfang eines Prozesses“, meint Jens Hulvershorn, der Futouris und Gebeco vertritt. „Die Kunden werden immer wacher“, pflichtet ihm Johannes Reißland, Geschäftsführer vom forum anders reisen bei. Die Bedeutung der ökologischen und sozialen Kriterien, die der Dachverband für nachhaltiges Reisen, schon vor 30 Jahren festgelegt hat, kommt langsam auch bei den großen Reiseveranstaltern an. Thomas Bösl, Geschäftsführer von Raiffeisen-Tours, und Harald Zeiss, verantwortlich für Qualitäts- und Umweltmanagement bei der TUI, sind sich der zunehmenden Bedeutung von CSR bewusst. Doch der Informationsfluss zu den Mitarbeitern nach unten ist langsam. Die Sensibilisierung der Mitarbeiter für CSR-Themen braucht Zeit. Schließlich ist das CSR-Siegel komplizierter als ein Siegel für umweltschonende Haushaltsgeräte. Und wenn sich noch nicht einmal die Experten einig sind, was denn unter CSR zu verstehen sei, wie sollen es dann die einfachen Mitarbeiter wissen?

Auch CSR-Experte Michael Hoppkins konnte in seinem Vortrag „CSR – Was ist das?“ nur Ideen davon vermitteln, was CSR bedeutet. Problematisch sind die zahlreichen verschiedenen Gewänder, in die sich die Nachhaltigkeit kleidet: Ecotourism, Sustainable oder Responsible Tourism. Es geht darum, dass mit dem Urlaub weder der Natur noch den Bevölkerung im Reiseland geschadet wird.

Firmen werben oft mit einzelnen Hilfsprojekten, die sie – manchmal auch nur einmalig – unterstützen und die ihr Kerngeschäft nicht unmittelbar berühren. CSR dagegen bedeutet Transparenz und Nachhaltigkeit entlang der eigenen Wertschöpfungskette. Die Maßnahmen fangen im deutschen Reisebüro an, begleiten die Anreise und enden bestenfalls in einer Kooperation im ärmeren Zielland.

Ganzheitliches Denken im Tourismus. Das klingt für viele neu und doch kann nur auf diesem Weg die vielgelobte Nachhaltigkeit erreicht werden. Dass ein Umdenken auf breiter Basis nicht reibungsfrei verlaufen kann, zeigte sich auch in der Expertenrunde Is CSR a rip-off? „Sollten wir dem kleinen Arbeiter verbieten, in seinem hart erarbeiteten Jahresurlaub wegzufliegen?“, provoziert Zeiss von der TUI. „Können wir den Klimawandel stoppen, wenn wir jeden für 20 Euro nach Barcelona fliegen lassen?“, kontert Reißmann vom forum anders reisen und erntet lautstarken Beifall aus den vollbesetzten Zuschauerreihen.

Wie ein Bewusstsein für CSR auch in den Massentourismus transportiert werden kann, blieb die große offene Frage beim CSR-Tag.

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