Foto: Kongresseröffnung durch Prof. Dr. Roland Conrady. Quelle: Messe Berlin

Welterbestätten werden zunehmend als touristische Produkte vermarktet. Doch zieht der Welterbetitel wirklich mehr internationale Urlauber an? Beim ersten ITB Destination Day 2010 stellte sich das Podium die Frage: Ist der Titel Fluch oder Segen, Hilfe oder Hindernis?

In die Welterbeliste der UNESCO werden nur Stätten aufgenommen, die eine herausragende universelle Bedeutung aus historischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen haben. Die 186 aufgeführten Staaten werden bei ihren Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen der Welterbestätten auf ihrem Hoheitsgebiet finanziell und materiell unterstützt.

Doch was hat eine Region davon, in der Welterbeliste aufgeführt zu sein? Das Podium stimmt überein: Der Titel Weltkulturerbe zielt neben seiner kultur- und natur- bewahrenden auch auf eine sekundäre Funktion ab, nämlich die der Tourismus-Förderung – selbst wenn er sich nicht in allen Fällen in einem deutlichen Anstieg an Urlaubern niederschlägt. Schließlich geht es auch darum, eine nationale und internationale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Demnach darf ein Welterbe nicht versteckt werden, man muss es seh- und erlebbar machen.

Das World Heritage Committee diskutiert jährlich bis zu 150 Fälle, bei denen der Titel in Frage gestellt wird. Einige gefährdete Welterbestätten landen auf der Roten Liste. Dass der Welterbetitel wieder aberkannt worden ist, kam im Falle Dresden jedoch erst das zweite Mal in der Geschichte der UNESCO vor. Wegen des Baus der Waldschlösschenbrücke verlor die Kulturlandschaft in Sachsen ihren erst 2005 erhaltenen Titel. Die Masterarbeit von Anja Hergesell (Modul University Vienna) untersuchte den Einfluss des Welterbetitels auf die Wahl des Reiseziels von Touristen in Dresden. Für lediglich drei Prozent der Urlauber war der Titel der UNESCO ein Grund, um nach Dresden zu reisen.

Probleme mit dem Welterbetitel ergeben sich vor allem im Bereich der Kommunikation innerhalb der Städte. Wie soll man das Welterbe gezielt in das kulturelle Programm einer Region integrieren und nach außen hin publizieren – und dabei noch an einem Strang ziehen? Die mangelnde Vernetzung hemmt den Gewinn an Popularität nach außen und innen. Daher fordern die Teilnehmer der Podiumsdiskussion alle Parteien zur Zusammenarbeit auf, die an der Schaffung und Erhaltung eines Weltkulturerbes beteiligt sind: Kultur, Politik und Bürger müssen gemeinsam ökonomische Lösungen für die Erhaltung der Denkmäler finden.

Unter die Haut ging die emotionale Rede des Leiters des Wattenmeersekretariats Jens Enemark, der zum gemeinsamen Schutz unseres Kulturgutes aufrief. Es ginge nicht ums Geld! Die UNESCO verfolge mit dem Welterbetitel einen Bildungsauftrag: Bei den Europäern müsse ein Bewusstsein für ihr gemeinsames kulturelles Erbe geschaffen werden sowie für die internationale Bedeutung, die dieses ausstrahlt. „Wir müssen Verantwortung übernehmen“, so Enemark.

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