Gestern noch bedeuteten die Bankentürme Frankfurts Arbeit, morgen schon sind sie Teil des Sonnenuntergangpanoramas und Motiv für ein Urlaubsfoto. „Zeit die eigene Heimat zu entdecken“ findet der Geschäftsführer der Kölner Agentur Regionale 2010, Reimar Molitor. Er kämpft gegen das Image der „piefigen Naherholung.“ Für ihn gilt es, die Exotik der eigenen Heimat zu entdecken. Molitor ist mit diesem Ansatz nicht alleine.

Frankfurt am Main hat für dieses Wirtschaftsfeld eigens ein Konzept entwickelt. Seit 2008 gibt es das Programm Zu Gast in der eigenen Stadt. Wer in Frankfurt und Umgebung wohnt, kann sich für eine Sommernacht in einem Frankfurter 5-Sterne-Hotel zu günstigen Konditionen bewerben. Im Komplettpaket inbegriffen: Welcome-Geschenk, Stadtrundfahrt und 4-Gänge-Menü. „Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!“ wusste schon das Frankfurter Original Goethe. „Guckt euch die Stadt aus den Augen eines Touristen an“, fordert die Stadt Frankfurt. Und ihr Ruf wird seit dem erhört: „Im ersten Jahr sind innerhalb von zwei Stunden die Server zusammengebrochen. Alles ausgebucht. So groß war der Ansturm auf die rund 1.000 Betten,“ so Bischoff. Die Bankenstadt begegnet damit der gähnenden Leere in den Hotelbetten, die sonst in den Sommermonaten einzieht, wenn die Geschäftsreisenden fort sind.

Während in Frankfurt die Wirtschaftlichkeit zählt, verfolgt Molitor durchaus auch idealistische Ziele: „Nur wer seine Heimat kennt, weiß, was seine Identität ausmacht, kann ein guter Gastgeber sein.“ Dabei möchte der Rheinländer nicht auf Klischees reduziert werden. „Die Region Köln/Bonn bietet mehr als Karneval, Dom und Museumsmeile. Im Rheinland befinden sich auch die meisten Talsperren und die größten durch Braunkohle entstandene Löcher.“ Merkmale in der Landschaft, die touristische erschlossen werden können. „Man muss Touristen sagen, was sie finden und Einheimischen, was sie zu bieten haben“, erklärt er. Erfährt die eigene Heimat mehr Wertschätzung, nützt dies der ganzen Region: Besser Infrastruktur und mehr kulturelle Angebote beflügeln sich gegenseitig.

Und manches Mal wohnt man ja auch schon in einer Region, die unglaublich viel zu bieten hat. Dann kommt es auf den Perspektivenwechsel an: Wenn die Bankentürme sich rot von der untergehenden Sonne färben, sollte man nicht an all das denken, was wieder auf dem Schreibtisch liegen geblieben ist, sondern einfach den Augenblick genießen. Das kann ein Stück Urlaub und vielleicht Exotik ganz in die Nähe holen.

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