Foto: Bad Hindelang PLUS Karte. Quelle: Marian Wilhelm

Ab Mai startet dieses Finanzierungskonzept auch in den Alpen durch.

Wenn sich das Bergdorf Bad Hindelang neben Abu Dhabi und Tadschikistan präsentiert, dann ist man auf der ITB Berlin. Auf der diesjährigen Tourismusmesse will die 5.000 Einwohner Gemeinde nicht nur mit dem ausgerufenen Trend Exotik der Nähe punkten, sondern stellte auch ihr Projekt Bad Hindelang Plus vor: zwar „keine Weltneuheit, aber für uns doch eine absolute Neuheit“, wie Projektleiter Andreas Ferstel meint. All-inclusive-Angebote sind ja nun nichts Neues: Sie machen einen nicht unerheblichen Teil der Tourismuswirtschaft aus. Urlauber finden sie in Strandresorts von der türkischen Riviera bis nach Spanien und auf den meisten Kreuzfahrtschiffen. Im Alpentourismus wurde dieses Konzept aber bisher nur sehr spärlich angeboten. Nun hat Bad Hindelang als zweite Gemeinde im Allgäu den Versuch gestartet, den Urlaub aus einer Hand anzubieten.

Mit Schwung und sichtlich stolz erläuterten die Allgäuer das Konzept der Bad Hindelang PLUS Karte, das sich ab Mai in der Praxis bewähren muss. Das Kernstück dabei sei, dass sämtliche Transport- und Infrastrukturangebote für den Gast enthalten sind und somit gleichzeitig deren Auslastung verbessert werden soll. Wichtig dabei ist nun, dass der Gast sie von seinem Quartiergeber gratis zur Verfügung gestellt bekommt. Das ist auch das Innovative an diesem Projekt. Denn viele Leistungen mit einer Karte zusammenzufassen ist nicht neu und gehört in großen Städten zum Standard. Doch dort muss der Gast jedoch meist rechnen, ob sich der Kauf des Pakets lohnt, und wird dann von einem Jäger- und Sammlertrieb erfasst auch alle bezahlten Leistungen auszunutzen, wie es Kurdirektor Maximilian Hillmeier formuliert. Dies möchte die PLUS Card der Bad Hindelanger vermeiden.

Doch, wer bezahlt das? Wie genau die Kalkulation des „solidarischen Umlagesystems“ aussieht, wollten die Verantwortlichen nicht ausführen. Die Basis allerdings ist ein Anteil pro Nacht und Gast, den jeder teilnehmende Quartiergeber in einen Topf einzahlt und dafür seinen Kunden die Karte zur Verfügung stellen darf. Jene im Dorf, die dem Projekt bisher noch skeptisch gegenüberstehen, geraten damit unter Druck mitzumachen – aber das ist von den Initiatoren durchaus erwünscht, denn es soll ausgebaut und in der Zukunft möglicherweise auf die gesamten Region ausgeweitet werden. Auf lange Sicht müssen sich aber wohl alle Vermieter beteiligen.

Bürgermeister Adalbert Martin sieht das Modell auch als Möglichkeit, die in letzter Zeit etwas schwächelnde Bilanz der kleineren Betriebe wieder zu verbessern. Insgesamt wies die Jahresbilanz 2009, die Bernhard Joachim vom Allgäu Marketing stolz präsentiert hatte im Vergleich zu 2008 zwar eine Steigerung der Ankünfte (+ 4,2 Prozent) aber einen leichten Rückgang bei den Übernachtungen (- 0,2 Prozent auf; der Trend zu kürzeren Aufenthalten setzt sich also auch hier fort. Ob das neue all- inclusive-Modell hier ein Rezept bietet, bleibt offen. Das offensive aber durchaus auch riskante Modell mit dem Motto Urlaub ohne Nebenkosten ist eher eine generelle Antwort auf die Sparsamkeit der Gäste in der Wirtschaftskrise. Für den Gast bringt dieses Angebot jedenfalls eindeutige Vorteile. Man darf gespannt sein, wie viel Resonanz das Modell findet und ob sich all-inclusive auch in den Alpen durchsetzen kann.

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