Foto: Werner Herrlinger (rechts), Vermarktungsleiter der Passionsgeschäftsstelle, und Jörg Christöphler (links), Tourismusdirektor Oberammergau. Quelle: Marcus Schoft

Wie das unbesiegbare Dorf von Gallien behauptet sich Oberammergau gegen Olympia und Co.

Alle reden von möglichen Olympischen Winterspielen in München oder vom Oktoberfest, die Touristen nach Bayern locken sollen. Fast übersehen kann man da einen kleinen Stand in der Deutschlandhalle: Dort präsentiert sich Oberammergau und wer an dem Stand mit der großen Jesusfigur genauer nachfragt, wird erfahren, dass das kleine 5.000-Seelen-Dorf in Südbayern diesen Sommer mehr als 500.000 Besucher anlocken wird. Die Passionsspiele sind es, die die Menschen aus der ganzen Welt in den kleinen Ort in den nördlichen Alpen pilgern lassen.

Alle zehn Jahre führen die Oberammergauer die Leidensgeschichte Jesu auf. Und das schon seit 1634, weil sie damals einen Eid geschworen haben, der sie vor der wütenden Pest bewahren sollte. „Es gibt auf der ganzen Welt nichts vergleichbares“, ist sich Werner Herrlinger, der Vermarktungsleiter von der Passionsgeschäftsstelle sicher. Die Zahlen sind tatsächlich imposant. Beim letzten Mal sahen vor zehn Jahren mehr als eine halbe Millionen Zuschauer die sechsstündige Aufführung. 110 Mal standen die Oberammergauer dafür auf der Bühne.

Auch in diesem Jahr kann Herrlinger mit den Verkaufszahlen zufrieden sein. Alle 150.000 Einzelkarten waren schon im September vergangenen Jahres vergriffen. Nur noch im Arrangement mit einer oder mehreren Übernachtungen sind Karten zu bekommen. Und auch die Arrangements werden gut nachgefragt. 90 Prozent dieser Angebote sind die Reiseveranstalter schon los geworden. „Im Moment läuft die Rückgabefrist, in welcher die Reisebüros noch übrige Karten zurückgeben können“, erklärt Herrlinger. „Bisher haben wir aber erst zehn Prozent der übrigen Arrangements zurück bekommen.“ Wer noch eine Einzelkarte will kann also Glück haben: „Wir arbeiten nun die Warteliste ab und ab dem 1. April sind die letzten Karten auf unserer Internetseite (www.passionsspiele2010.de) zu bekommen.“

Der Marketingdirektor ist zuversichtlich, dass auch in diesem Jahr wieder alles ausverkauft sein wird. Mit der Kritik, dass durch das Ereignis die Leidensgeschichte Jesu kommerzialisiert werde, können Herrlinger und Jörg Christöphler, der Tourismusdirektor von Oberammergau, nichts anfangen. „Die Besucher merken einfach, dass da eine lange Geschichte dahinter steckt“, versichert Christöphler. „Immerhin haben die meisten Oberammergauer ihre Haare seit über einem Jahr nicht mehr geschnitten und stehen bei -15 Grad zum Proben auf der Bühne. Für die Gäste hat das einen gewissen Zauber.“


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