Foto: Die Vertreter von 21 US-Destinationen diskutierten im Vorfeld der Pressekonferenz die Einführung des Travel Promotion Acts. Quelle: Kristin Schrader

Wer künftig in die Vereinigten Staaten von Amerika reisen will, muss Eintritt bezahlen: Zehn Dollar verlangt das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, beim derzeitigen Dollarkurs rund sieben Euro. Vergangenen Donnerstag unterschrieb Barack Obama den Travel Promotion Act, der unter anderem die Einführung der Einreisegebühr vorsieht. Genau eine Woche später luden Vertreter der amerikanischen Tourismusindustrie das Fachpublikum der ITB Berlin zu einer Pressekonferenz ein.

Eigentlich sollte die Informationsveranstaltung die Stadt New York zum Thema haben. Stattdessen entschlossen sich die Veranstalter, die gemeinnützige U.S. Travel Assoziation und NYC & Company, die Marketing-, Tourismus- und Partner-Organisation der Stadt New York, das neu verabschiedete Gesetz in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen.

Zumindest in Europa wurden bezüglich des Travel Promotion Acts bislang hauptsächlich die geforderte Einreisegebühr registriert. Die Sprecher der beiden veranstaltenden Organisationen waren sich jedoch einig in ihrer Einschätzung, dass diese zehn Dollar niemanden von einer Amerikareise abhalten werden. Nicht nur deswegen begrüßen sie das Toursimusförderungsgesetz ausdrücklich. Schon seit 20 Jahren sei über diese Möglichkeit, mehr ausländische Touristen ins Land zu holen, geredet worden. Nun endlich habe der Präsident eine Möglichkeit geschaffen, die Verbindung zwischen den USA und der Welt zu stärken, betont Roger Dow, Präsident und Geschäftsführer der U.S. Travel Assoziation.

Zu diesem Zweck sieht das Gesetz die Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft vor. Sie soll eine landesweite Marketing- und PR-Kampagne starten. Eine solche habe es bisher in den Vereinigten Staaten nicht gegeben, bedauert Dow. Die USA hatten anders als die meisten anderen Nationen bislang kein nationales Tourismusboard oder gar eine eigenständige Behörde.

Das Resultat sei ein sehr unterschiedlicher Bekanntheitsgrad der US-amerikanischen Destinationen. Städte wie New York seien in der ganzen Welt bekannt. Das sei nicht nur aufwändigen Marketing-Kampagnen zu verdanken, sondern auch erfolgreichen Fersehserien wie beispielsweise Sex And The City, betont der Geschäftsführer von NYC & Company, George Fertitta. „Aber auch in unseren anderen Städten gibt es Sex.“

Um auch andere Städte bei den Touristen aus aller Welt bekannt zu machen, sollen Millionen Dollar in aufwändige Kommunikationsmaßnahmen gesteckt werden. Durch öffentlich-private Partnerschaften konnte ein Startkapital von 100 Millionen Dollar aufgebracht werden. Zukünftig sollen die Ausgaben allerdings durch die zehn Dollar gedeckt werden, die künftig jeder Einwohner einer der am Visa-Waiver-Programm teilnehmenden Staaten bei der Einreise entrichten muss. Dabei handele es sich jedoch nicht um eine Einreisegebühr, betont Dow energisch. Einmal gezahlt, gelte die Gebühr für zwei Jahre, in denen der Tourist so oft in das Land ein- und ausreisen kann, wie er möchte.

Noch steht nicht fest, wie die Gebühr erhoben werden soll. Geeignete Maßnahmen sollen von der neugegründeten Organisation erarbeitet werden. Fest steht bislang nur, dass sie mit dem elektronischen Reisegenehmigungssystem ESTA gekoppelt sein soll. Mit dem Electronic System for Travel Authorization sammeln die USA die Daten sämtlicher Einreisenden. Auch in diesem Zusammenhang spricht Dow von einer Verbesserung. Statt wie bislang die verwirrenden Karten an Board des Flugzeugs auszufüllen, könne der Tourist dies schon vor Reiseantritt bequem online erledigen.

Die neue Regelung stößt bei Datenschützern auf heftigen Protest. Auch die neue Einreisegebühr regt zu Befürchtungen an, dass sie hauptsächlich zur Beschaffung der Kreditkartendaten der Reisenden dienen soll. Dow versichert jedoch, dass es auch für diejenigen eine Möglichkeit zur Entrichtung der Gebühr geben soll, die ihre Kreditkartendaten nicht mitteilen wollen. Eine geeignete Maßnahme zu entwickeln fordere jedoch kluge Köpfe und mindestens sechs bis neun Monate Zeit.

Die praktische Einführung der Einreisegebühr wird dementsprechend wohl erst Ende des Jahres stattfinden. Solange haben Amerikareisende noch Zeit, die zehn Dollar anderweitig auszugeben. Für ein Kinoticket beispielsweise. Ende Mai kommt die Fortsetzung von Sex And The City in die deutschen Kinos.


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