Südafrika erwartet diesen Sommer einen nie dagewesenen Touristenansturm. Doch auch andere afrikanische Staaten erhoffen sich ein Stück vom großen Fußball-Weltmeisterschafts-Kuchen. Sambia beispielsweise setzt auf die kurze Distanz zum Austragungsort Johannesburg: Von dort aus dauert der Flug nur eine Stunde und fünfzig Minuten. Die Direktorin des Zambia Tourism Boards, Justina Wake, hofft, dass viele Fußballbegeisterte die Zeit zwischen den Spielen für einen Abstecher in ihr Land nutzen. „Zambia is ready for you“, verkündet sie selbstbewusst; Sambia erwartet seine Besucher.

Aber wie bereit ist das Land wirklich? Unter dem Motto Zambia – the real Africa wirbt das Tourismusboard mit der vielfältigen Natur- und Pflanzenwelt. Das wohl berühmteste Naturschauspiel bieten die zum Weltnaturerbe zählenden Victoria Falls, Wasserfälle mit einer Höhe von über 110 Metern. Timothy Mushibwe als Vorsitzender des Tourismusboards betont allerdings, dass Sambia wesentlich mehr zu bieten hat. In 19 Nationalparks können Besucher die unberührte Natur Sambias entdecken. Auch die vielfältige Tierwelt kann man hier aus nächster Nähe bestaunen, inklusive der beliebten afrikanischen Raubkatzen. Und das relativ ungestört von drohenden Touristenhorden. Im Gegensatz zu den wesentlich stärker besuchten Parks in Südafrika könne man hier „sehen, was Afrika einmal war“.

Abseits der Nationalparks sehen die Besucher jedoch auch, was Sambia heute ist: Das Land im Süden Afrikas gehört zu den ärmsten Staaten der Welt. 2009 belegte es den 164. von 182 Plätzen im sogenannten Human Poverty Index der Vereinten Nationen. Trotzdem sei eine medizinische Versorgung gegeben, versichert Wake auf Nachfrage: „In den großen Städten haben wir gut ausgestattete Krankenhäuser. Und für die entlegeneren Gebiete wurde ein Rettungsdienst eingerichtet.“ Das Auswärtige Amt veröffentlicht auf seiner Internetseite allerdings eine andere Sicht: „Vor Ort ist nur eine unzureichende medizinische Notfallversorgung gegeben.“ Gleichzeitig warnt das Amt auch vor steigender Kriminalität. Diese wird vom Tourismusboard ebenfalls verschwiegen. Wake betont immer wieder, wie friedlich das Land sei. Alle 73 Stämme leben demnach harmonisch miteinander und freuen sich, den Touristen ihr Land zeigen zu können.

Der Großteil der touristischen Einrichtungen wird jedoch von großen internationalen Konzernen gestellt. Trotz Bemühungen des Tourismusboardes, sowohl auf der internationalen als auch der lokalen Ebene um Investitionen zu werben, nehmen nur wenige Einwohner die gebotenen Chancen wahr. Da die meisten der Motivationsversuche erfolglos verlaufen, drängt sich die Frage auf, wie lange man in Sambia noch das viel beworbene Real Africa erleben kann.

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