Der Orient ist eine europäische Erfindung. Das ist bekannt. Und natürlich greifen auch die Werbe-Strategen der Region diese Klischees gerne auf. Doch nicht alle orientalischen Länder, die auf der ITB Berlin 2010 vertreten sind stützen ihren Marketingauftritt auf Bilder, wie sie z.B. aus Filmen wie Lawrence von Arabien bekannt sind. In Halle 22, in der die Vereinigten Arabischen Emirate ihr Tourismuskonzept präsentieren, sieht man auch eine andere Seite. Ein Ferarri etwa steht dort für die Schnelligkeit, die die aufstrebenden Metropolen ausstrahlen wollen.

Das Emirat Dubai stellte heute eine Kampagne vor, die sich speziell an Familien richtet: Kids Go Free beinhaltet neben Vergünstigungen bei Flugverbindungen auch freien Eintritt für Kinder unter 16 bei Attraktionen wie dem Aquaventure Wasserpark oder den Indoorpisten in Ski-Dubai. Das moderne Dubai lockt mit luxuriösem Erlebnis- und Unterhaltungsurlaub, symbolisiert durch künstliche Inseln und Wolkenkratzer, die längst zum Markenzeichen geworden sind.

Am westlichen Ende des sogenannten Orients, in Marokko, stützt man sich dagegen ganz auf die vielfältigen Bilder aus der Kulturgeschichte des Landes. Dafür stehen vor allem die Königsstädte Fès, Marrakesch, Meknès und Rabat. An Marokko fasziniere ihre Kunden vor allem die Vielfalt der Kultur, meint Eva Zeller, die sich auf Rundreisen durch Marokko spezialisiert hat – und damit ist vor allem die Vergangenheit der arabischen Kultur gemeint. Dazu kommen viele Einflüsse aus Spanien, Frankreich, Schwarzafrika und natürlich der Berber.

Den Slogan Marokkos – Oase der Sinne – kann man auch schmecken: auf einer kulinarischen Rundreise, die Eva Zeller ab Herbst im Programm hat. Marokko wirbt also weniger mit Sport, Spiel und Spaß als mit der Langsamkeit des Erlebens, ob beim Trekking im Atlas-Gebirge oder bei einer Weinverkostung in Meknès.

In Dubai wie in Marokko gehört für den Touristen auch das Einkaufen zum Urlaubserlebnis, nur anders: Während in Marokko die Ursprünglichkeit eines traditionellen Souks fasziniert, bekommt bietet Dubai die Modernität der nach eigenen Angaben weltgrößten Shopping Mall. Während der Gast in Marokko mit der Kamelkarawane in die Wüste zieht, erlebt er in Dubai den thrill & fun of Desert Safari Dune Bashing inklusive unlimited soft drinks als Tagesexkursion von seinem Resort Hotel aus.

Dubai zieht primär Touristen an, die auf der Flucht sind vor ihrem Alltag, Marokko jene, die auf der Suche sind. Dementsprechend sind die Zielgruppen in Dubai Familien, Freizeitreisende und Topmanager, während in Marokko, neben den Individualtouristen, im gehobenen Segment vor allem Kultur-Reisende angesprochen werden. Luxus wird auch im Königreich Marokko geboten, doch hier liegt dieser in den Riads, den renovierten, traditionellen Innenstadt-Häusern in Marrakesch oder Tanger verborgen. In Dubai sind es die 5-Sterne-Strandhotels mit Yacht-Hafen, die einem gleich ins Auge springen.

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