Der Eröffnungstag des ITB Berlin Kongresses ist traditionell der Zukunft gewidmet. Vier Experten stellten beim ITB Global Future Summit die vier Megatrends der Tourismus-Zukunft vor: Demographischer Wandel, Klimawandel, technologische Revolution und verändertes Konsumentenverhalten.

Dem Wachsen im armen Süden steht ein Schrumpfen im reichen Norden gegenüber. So lautete die Quintessenz des Vortrags von Reiner Klingholz, Direktor des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Die Menschheit hat sich in den vergangenen hundert Jahren vervierfacht: An jedem Tag erblicken 230.000 neue Menschen das Licht der Welt. Doch das tun sie noch immer überwiegend in den ärmeren Ländern der Welt. Dagegen wird sich die Bevölkerung in Europa bis 2050 halbieren. Daran werden auch die Migranten nichts ändern.

Klingholz lieferte den Hintergrund, vor dem Claudia Kemferts Thesen einleuchten: Unsere Ressourcen reichen nicht aus, um allen Menschen auf der Erde ein verschwenderisches Leben zu ermöglichen. Die beiden größten Herausforderungen, denen sich die Menschheit stellen muss, seien der Umgang mit den knapper werdenden Rohstoffen und der Klimawandel. Die Professorin für Energieökonomie hält eine Anpassung an den Klimawandel für unumgänglich. Auch im Tourismus. Sie erwartet, dass sich das Reiseverhalten zum Ökotourismus hin verändern wird. Nachhaltigkeitskriterien werden bei der Urlaubswahl eine immer größere Rolle spielen. Zum Beispiel wird der Handel mit CO2-Zertifikaten wichtiger werden.

In Patrick Schönemanns Vortrag bezog sich der Change einzig auf den technologischen Wandel. Der Geo Sales Manager präsentierte die schöne neue Google-Welt mit interaktivem Kartenmaterial von Google Maps. Frei zugängliche Informationen von überall für jedermann werden auch im Reiseverhalten immer wichtiger. Inhalte auf touristischen Homepages sind beinahe zu hundert Prozent geografische Informationen. Schönemann ist überzeugt: „Goople Maps hilft, die Welt um uns herum zu verstehen und Entscheidungen zu treffen.“
Dass immer mehr Menschen aus immer mehr Reiseangeboten auswählen, wurde in Paul Flatters’ Vortrag deutlich. Bei einer wachsenden Bevölkerung steigt teilweise auch der Wohlstand. Es entsteht eine breite, wohlhabende Mittelschicht. Mit wirtschaftlichem Wachstum gehe auch ein gesteigertes Intersse an Urlaub und Erholung einher. Trotz einer Pluralität von Reisestilen benennt Flatters vom Marktforschungsunternehmen Trajectory („Flugbahn“) zwei dominierende Trends im Tourismus: Reisende würden erstens auf Einfachheit setzen und zweitens freiwilligen Verzicht üben. „One click, keep it simple“ laute das Motto der Technikgeneration, die benutzerfreundliche Produkte verlangt. Diese Simplizität bezieht sich nicht nur auf den Umgang mit Technologie, sondern auch auf den Lebensstil. Immer mehr Menschen bevorzugen einen gesünderen und weniger verschwenderischen Lebensstil. „Even if they don’t have to they do. Because they feel it’s the right thing to do“, sagt Flatters. Allerdings fügt er hinzu, dass die Moralität abnehme, wenn der eigene Lebensstandard schlecht ist.

Eine Veränderung hin zu einer neuen sozialen Verträglichkeit und ökonomischen Nachhaltigkeit wird auf der diesjährigen ITB Berlin eines der Hauptthemen sein. Das Reiseverhalten wird sich durch den demographischen und den klimatischen Wandel dauerhaft verändern. Alle Vorträge, in denen Corporate Social Responsiblitiy (CSR) eine Rolle spielt, sind in den Programmen mit einem grünen Bäumchen gekennzeichnet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s